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Interview met wijlen Francine Crescent voor DutcH magazine Guy Bourdin Issue herfst 1997 hergepubliceerd in catalogus Guy Bourdin Retrospective, Haus der Photographie, Museum Deichtorhallen Hamburg herfst 2013 (in Duits)

Das Interview mit Francine Crescent (Editor-in-chief Vogue Paris 1957-1987) führte Klaus van den Berg für das Magazin DUTCH, Herbst 1997, in Englisch publiziert. Das Interview ist in Deutsch publiziert in Catalogue Guy Bourdin Retrospective, Haus der Photographie, Museum Deichtorhallen, Hamburg, Herbst 2013. Copyrights: Klaus van den Berg, 1997.

Klaus van den Berg: Was denken Sie über Guy Bourdin?
Francine Crescent: Im Gegensatz zu Gianni Versace bin ich nicht der Meinung dass es bei Guy Bourdin um moderne Kunst geht. Vielmehr um das Leben. Er hat sehr schnell erkannt, dass Sex und Gewalt sehr wichtige Aspekte unserer Gesellschaft sein würden. Aber ich glaube, ihn interessierte das Leben an sich. Das war es, was er darstellen wollte.

Klaus van den Berg: Welche Rolle spielten Sie in Bourdins Entwicklung?
Francine Crescent: 1957 habe ich bei der Vogue Paris angefangen, 1967 wurde ich Chefredakteurin und 1977 Herausgeberin, 1987 habe ich dann bei der Vogue aufgehört. Das heißt, ich habe alle zehn Jahre eine andere Position eingenommen. Mein erstes Foto-Shooting als Redakteurin für den Bereich Schuhe hatte ich 1960 mit Guy Bourdin. Uns gelang eine wunderbare Inszenierung. Vier Jahre später begegnete ich Roland Jourdan. Er hatte eine der ersten Firmen für Konfektionsschuhe und fragte mich, welcher Fotograf seine Kampagne fotografieren könnte. Ich schlug ihm vor, Guy Bourdin zu fragen. Ich erinnere mich sehr genau, dass die ersten Fotos für Jourdan ein solcher Schock waren, dass man ihm schrieb wie schrecklich diese Kampagne sei. Daraufhin sagte ich ihm, er sei schließlich nicht mit Bourdin verheiratet und könne jederzeit einen anderen Fotografen beauftragen. Aber er blieb ihm treu und am Ende wurde die Kampagne zum Kunstwerk erklärt. Roland und Guy arbeiteten sehr lange Zeit zusammen. Eigentlich genauso lange wie Guy für mich tätig war. Roland hat niemals ein Bild von Bourdin abgelehnt, das heißt Guy genoss absolute kreative Freiheit– bei mir nicht ganz so (lacht). Das war sehr wichtig für Guy.

Klaus van den Berg: Haben Sie Guy Bourdin eigentlich entdeckt?
Francine Crescent: Nein, ich habe ihn nicht entdeckt. Mein erstes Shooting fand mit ihm statt, aber er machte zu diesem Zeitpunkt bereits sehr schöne Sachen für die Vogue und ich habe ihn dann gefragt, ob er meine erste Produktion fotografieren würde. Ich hatte großes Glück, dass er zusagte. Von da an habe ich ihn immer unterstützt. Und als ich einen Posten mit größerer Verantwortung bekam, habe ich ihm mehr Aufträge zugeschoben. Ich habe niemals eines seiner Fotos abgelehnt, auch wenn mein Verleger das nicht wirklich verstanden hat. In jeder Ausgabe bekam er zwanzig Seiten Mode oder Beauty. Er liebte es, für diese zwanzigseitigen Fotostrecken zu reisen und wir schickten ihn überall hin wo er wollte. Die meiste Zeit war er in Kalifornien. Aber er reiste auch nach China und Japan für uns, überallhin. Persönlich mochte er Österreich sehr gerne; ich weiß noch, dass er mit dem Fahrrad hin fuhr.

Klaus van den Berg: Können Sie uns mehr über Bourdins Beziehung zu Amerika erzählen?
Francine Crescent: Er liebte Amerika, das Land, die Politik, die Literatur und die Maler. Er mochte die Kraft und Macht Amerikas. Ich erinnere mich, dass Guy und ich 1967 für eine vierzigseitige Vogue-Strecke nach New York reisten. Als erstes musste ich die amerikanische Mode auswählen; das heißt, ich reiste an die unterschiedlichsten Orte. Und dann begannen wir Fotos dieser neuen Generation von Pop-Art-Künstlern zu machen. Wir waren die Ersten, die auf diese Idee kamen. Ein anderes Mal mussten wir auf Coney Island arbeiten. Es regnete. Um neun Uhr schickte ich alle mit der Subway dorthin. Guy hatte natürlich auch von der Untergrundbahn sehr schöne Fotos gemacht. Außerdem hat er eine wunderbare Batman-Serie in New York aufgenommen. Diese ganzen vierzig Seiten hat er übrigens mit einem einzigen Model fotografiert.

Klaus van den Berg: Hat er für jede von Ihnen betreute Ausgabe der französischen Vogue gearbeitet?
Francine Crescent: Ja für jede! Für alle Ausgaben hat er Fototrecken von ungefähr zwanzig Seiten gemacht. Während der Modeschauen musste er in Paris bleiben, da wir nachts arbeiten mussten. Er hat immer mindestens zwanzig Seiten fotografiert. Genauso bin ich mit Helmut Newton verfahren. Guy und Helmut waren meine stärksten Fotografen. Beide bildeten den sexuellen Aspekt unserer Zeit ab, aber auf sehr unterschiedliche Weise. Ich weiß noch, dass, wenn Guy in die Redaktion kam um das Layout anzuschauen, er Newtons Bilder mit großem Respekt betrachtete. Sie interessierten sich gegenseitig für ihre Arbeit. Sie waren aber keine Freunde. Guy befreundete sich nicht wirklich mit Leuten. Nachdem ich nicht mehr bei der Vogue war, wurden dort einige von Guys Fotos abgelehnt. Er verließ die Zeitschrift. Also gab ich ihm zwanzig Seiten in The Best. Ich habe auch seine letzte Fotoserie veröffentlicht, die er einen Monat vor seinem Tod gemacht hat.

Klaus van den Berg: War Bourdin ein persönlicher Freund von Ihnen?
Francine Crescent: Wir haben niemals über private Dinge gesprochen. Er war ein sehr reservierter Mann und die Leute, die ihn umgaben, mussten ebenso reserviert sein. Manchmal erzählte er mir kleine Dinge über sich. Zum Beispiel, dass er gerne Mädchen mit hellroten Haaren fotografiere, da sie ihn an seine Mutter erinnerten. Er versuchte das Ebenbild seiner Mutter wiederzufinden.

Klaus van den Berg: War Guy Bourdin vor allem ein französisches Phänomen?
Francine Crescent: Nein, er war auch in Japan sehr bekannt, das kann man sich kaum vorstellen! Die Japaner sahen ihn in der französischen Vogue, die auf gutem Papier gedruckt war und ein sehr schönes Layout hatte. Guy Bourdin orientierte sich größtenteils an unserem Layout, 1972-73 arbeitete er auch ein bisschen für die italienische Vogue. Sie lehnten jedoch eines seiner Fotos ab und er beendete daraufhin die Zusammenarbeit. Er wollte sehr gerne für die amerikanische Vogue arbeiten, aber da gab es ein Problem: er wollte machen was er wollte. Die hatten irgendwie Angst voreinander – die amerikanische Vogue fürchtete Bourdin ein bisschen, und er deren Geschäftsführung. Er hat, glaube ich, nur ein oder zwei Mal für sie Aufnahmen gemacht. Sie haben nicht viele seiner Fotos angenommen und seiner Aussage zufolge, noch nicht einmal die wirklich guten Fotos. Aber er hat einen Katalog für Bloomingdale’s gemacht, das war sehr wichtig.

Klaus van den Berg: Betrachtete Bourdin sich selbst als Künstler?
Francine Crescent: Unser Kulturminister wollte Bourdin mit dem Orden der französischen Ehrenlegion auszeichnen, er lehnte dies jedoch ab. Er wollte keinerlei Orden. Er schrieb Jacques Lang einen sehr netten Brief, dass er sich geehrt fühle, dass dies aber nicht seiner Lebensanschauung und seinem Denken entspreche. Er lehnte alles ab. Doch sagte er immer wieder, dass er eine Ausstellung machen wolle und ein Buch. Aber das hat er dann nie in die Tat umgesetzt, vielleicht wollte er es nicht wirklich. Ich empfand ihn immer als Renaissancemenschen. Sie können sich nicht vorstellen, wie kultiviert er war. Er kannte alle Gemälde in allen Museen dieser Welt. Ich weiß noch, als ich mit ihm für ‘The Best’ in Venedig war. Wir schauten uns Gemälde an und er benutzte eine Lupe, um auch die kleinsten Details der Bilder sehen zu können. Ich kenne niemanden, der das auch gemacht hätte. Wenn er seine eigenen Gemälde verkauft hatte, wollte er sie am liebsten wieder zurückzukaufen. Wie ich schon sagte, er war mit seiner Großzügigkeit, seiner Kultiviertheit und seinem offenen Geist ein Renaissancemensch. Guy Bourdin war eigentlich ein Poet. Er stellte das Leben auf eine sehr moderne Weise dar. Es gibt kein einziges vulgäres Foto von ihm. Das heißt, die Leute können ihn nicht imitieren, denn wenn sie das versuchen haben die Bilder immer etwas leicht Vulgäres, und er war eben niemals vulgär.

Klaus van den Berg: Und was wollte er uns mit seiner Poesie sagen?
Francine Crescent: Das hat er mir nie gesagt. Er war ein echter Künstler. Ein wirklicher Selfmademan. Das war er in der Tat. Er betrachtete die Dinge wie ein Poet, nicht auf realistische Weise. Aber er hatte auch eine fröhliche Seite. Jedes Mal wenn er in das Büro der Vogue kam, wollten alle ihn treffen. Guy ist hier, Guy ist hier! riefen alle. Wir alle genossen, es mit ihm zusammen zu sein.

Klaus van den Berg: Wir sehen Guy Bourdin in gewissem Sinne als Übersetzer, als jemanden, der ein Gespür für unsere Zeit hat.
Francine Crescent: Genau! Er war ein Genie. Ein Genie ist wie ein Prophet. Er beobachtete seine Umgebung genau. Er merkte immer, was vor sich ging. Er blieb nicht in seinem Zimmer. Er lief ständig herum. Niemals nahm er ein Taxi oder die Untergrundbahn, da er alles sehen wollte. Als wir in Amerika arbeiteten, war er schon fünfzehn Tage vorher da, um durch New York zu laufen. Er übertrug in seine Fotos das, was er um sich herum sah, wie zum Beispiel Gewalt.

Klaus van den Berg: Haben Sie was seine Arbeit für die französische Vogue betrifft jemals Beschwerdebriefe erhalten?
Francine Crescent: Ja, aber nur wenige. Diese negativen Reaktionen kamen aus England, soweit ich mich erinnere. Er ignorierte sie. Die Menschen, die er fotografierte, waren sehr froh ihm begegnet zu sein, insbesondere die Maler, die er fotografisch portraitierte.

Klaus van den Berg: Warum wollen manche Leute Bourdin als Monster darstellen?
Francine Crescent: Weil sie ihn nicht verstehen. Er war sehr schwierig was seine Arbeit betrifft. Und sich selbst und anderen machte er es nicht leichter. Er wollte Perfektion. Perfekte Haare, alles musste perfekt sein. Das heißt, es war nicht einfach mit ihm zu arbeiten. Für ein Bild brauchte er Stunden. Manchmal konnte ein Redakteur das einfach nicht länger aushalten. Sobald man jedoch akzeptierte, dass er ein wahrer Künstler war, machte die Arbeit mit ihm sehr viel Spaß. Bei seinen Shootings gab es immer viel Musik und viele Leute, die kamen und gingen. Er war sehr überschwänglich und nett. Ein überaus freundlicher Mann und sehr höflich. Wenn er die Models aussuchte, nahm er sich immer mindestens eine Viertelstunde für jedes ausgewählte Model Zeit und betrachtete ihre Bilder, wobei er deutlich darlegte, was ihm gefiel oder nicht. Er war der einzige Fotograf, der mir je begegnet ist, der so Etwas getan hat. Natürlich war er eine sehr starke Persönlichkeit, weil er immer genau das machen wollte, was er für richtig hielt. Er akzeptierte keinerlei Einmischung. Und am Set machte er alles selbst. Ich erinnere mich, dass er ziemlich viel kaputt machte. Er führte sich nicht wie der große Meister auf, der seinem Assistenten sagt ‘tu dies und tu das’. Und wenn ich zu ihm ging und sagte: „Guy, du musst jetzt leider dieses furchtbare Kleid fotografieren, ich weiß es ist nicht schön, aber ich muss etc. etc“, dann sagte er ‘Okay das wird gemacht’. Bevor ich zu weiteren Erklärungen anheben konnte, zeigte er sich bereits einverstanden. Er hasste es zu lügen.

Klaus van den Berg: Was dachten die Leute über Guy Bourdin während seiner Karriere?
Francine Crescent: Er wurde nicht als Modefotograf, sondern als Künstler betrachtet. Man mochte seine Bilder. Vor allem junge Leute bewunderten seine Arbeit. Sie erkannten, dass er mehr war als ein Modefotograf. Wie Sie sicherlich wissen, hat Guy viele junge Fotografen beeinflusst. Viele von ihnen wollten gerne als Assistent bei ihm arbeiten. Und wissen Sie auch, dass es viele Männer gab, die die französische Vogue kauften? Nicht wegen der Mode natürlich, sondern wegen der Bilder von Guy. Auch viele Akademiker kauften die Zeitschrift wegen seiner Fotos. Am Ende wussten die Leute, dass er mehr als ein Modefotograf war.

Klaus van den Berg: Welche Modedesigner mochte er?
Francine Crescent: Er interessierte sich eigentlich mehr für das Bild als für die Mode. Aber er mochte Designer wie Thierry Mugler, Karl Lagerfeld, Saint Laurent. Sie waren damals neu. In den 60er und 70er Jahren gab es eine wahre Explosion von Talenten. Damals dachten wir dies sei normal, heute wissen wir, wir haben sehr viel Glück gehabt.

Klaus van den Berg: Warum ist nur einem geringen Teil der Öffentlichkeit Bourdin als Fotograf bekannt?
Francine Crescent: Er wollte sich niemals von uns fotografieren lassen. Eines Tages veröffentlichte ich ein kleines Foto von ihm, darüber war er gar nicht glücklich. Er wollte nicht fotografiert werden. Er wollte jede Spur seines Lebens verwischen. Er war ein Rätsel. Und er war den Leuten nicht gerade behilflich, die ihn bekannt machen wollten. Eines Tages sagte er zu mir: ‘Ich möchte der beste Fotograf der Welt sein’. Und ich antwortete: ‘Aber warum nur Guy, ich verstehe dich nicht’. Er erklärte mir daraufhin: ‘In meiner Arbeit will ich der Beste sein, das heisst, ich arbeite um der Beste zu sein’.

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Interview met Heidi Morawetz voor DutcH magazine Guy Bourdin Issue herfst 1997 hergepubliceerd in catalogus Guy Bourdin Retrospective, Haus der Photographie, Museum Deichtorhallen Hamburg herfst 2013 (in Duits)

Das Interview mit Heidi Morawetz (Make-up artist Guy Bourdin 1970s, später International head make-up CHANEL) führte Klaus van den Berg, trend editor/associate editor DutcH magazine 1994-1998. Es erschien Herbst 1997 im DUTCH Magazine Guy Bourdin Issue, in Englisch publiziert. Das Interview ist in Deutsch publiziert in Catalogue Guy Bourdin Retrospective, Haus der Photography, Museum Deichtorhallen, Hamburg, Herbst 2013. Copyrights: Klaus van den Berg, 1997.

Klaus van den Berg: Heidi Morawetz, lassen Sie uns mit Ihrer Rolle in der Bourdin-Story beginnen…
Heidi Morawetz: Ich war gerade nach Frankreich gekommen, es war ein Zufall. Ich sollte für ihn arbeiten. Eines Tages war er in seinem Studio und stritt mit den Make-up-Leuten – insbesondere einer Frau, die das Make-up für ihn machte. Sie war nicht besonders nett und verschwand einfach. Daraufhin fragte er mich ob ich übernehmen könnte. Ich hatte die Kunsthochschule in Wien besucht, wissen Sie. Er sagte ‘Hier hast du den Make-up-Koffer. Du weißt ja wie man auf Papier zeichnet, vielleicht kannst du das auch auf dem Gesicht’ So hat alles angefangen.

Klaus van den Berg: Das ist unglaublich, denn alle reden immer so geheimnisvoll über dieses außerordentliche Make-up.
Heidi Morawetz: Ja, aber so war das auch. Er gab vielen Leuten eine Chance und er hat für viele damit eine Karriere angestoßen. Auch Serge Lutens hat er eine solche Chance gegeben. So hat Lutens angefangen. Joan Juliet Buck hat beides, Styling und Make-up für ihn gemacht. Und nun ist sie die Herausgeberin der französischen Vogue. Ich habe das ganze Styling und Make-up für die Werbung für Charles Jourdan gemacht. Manchmal musste mir jemand dabei helfen, da ich Styling und Make-up nicht gleichzeitig machen konnte. Es war irgendwie magisch.

Klaus van den Berg: Wie alt waren Sie als Sie Guy Bourdin begegneten?
Heidi Morawetz: Ich war 25 Jahre alt – das ist ziemlich lange her! (lacht). Das war in den 70er Jahren. Eine verrückte Zeit. Die ganze Szene war völlig ausgeflippt. Andy Warhol trat auf den Plan. Alle Mädchen waren in Paris und Guy hat mit allen gearbeitet. Es war eine unglaubliche und außerordentlich kreative Ära. Wir hatten viel Spaß. Meistens arbeiteten wir nachts. Für mich persönlich war das damals die schönste Zeit.

Klaus van den Berg: Erzählen Sie uns etwas über die Arbeit mit Guy Bourdin in den 70er Jahren.
Heidi Morawetz: Wenn man heutzutage für einen Fotografen arbeitet, dann beginnt man um 9 Uhr und um 17 Uhr hört man auf. Das ist langweilig wie Sie sich sicherlich vorstellen können. Früher gab es immer irgendwelche Überraschungen. Es war wie ein Happening. Guy hatte einen großartigen Sinn für Humor. Irgendwie britisch. Er war Franzose, aber er hatte ein schiefes Lächeln. Er lachte viel und machte für sein Leben gerne Witze. Aber es gibt natürlich noch eine andere Seite. Da er ein außerordentliches Talent war forderte er auch sehr viel von den Leuten. Jedoch niemals auf eine unangenehme oder unschöne Art und Weise. Er war immer sehr großzügig. Manchmal mussten die Mädchen für die Schuhwerbung seltsame Positionen einnehmen oder im Badeanzug im Winter draußen arbeiten. Oder er hatte diese Vorstellung einer bestimmten Inszenierung im Meer. Ein anderes Mal bildete er mit den Beinen der Mädchen, die aufeinander saßen, eine Spinne nach. Er hatte diese unglaubliche Fantasie und zugleich versuchte er herauszufinden wie er seine Ideen umsetzen konnte.

Klaus van den Berg: Die Beziehung zwischen Guy Bourdin und seinem Heimatland Frankreich scheint etwas eigenartig gewesen zu sein…
Heidi Morawetz: Guy sagte immer zu mir ‘Ich befinde mich auf einem sinkenden Schiff, aber ich werde es nicht verlassen’. Er hatte Recht mit dem Niedergang Frankreichs. Schauen Sie doch, was gegenwärtig in Frankreich vor sich geht. Und er hat das vor zwanzig Jahren gesagt. Er erkannte, dass es für junge Leute keine großen Chancen geben würde. Alle jungen Fotografen lebten in New York. Alle französischen Fotografen, die erfolgreich sind, leben dort. Nicht hier in Paris, hier passiert nichts. Er liebte Amerika. Wir reisten für die Aufnahmen oft in die USA. Er fand Amerika extrem fotogen. Aber weil Guy so unorganisiert war konnte er dort nicht wirklich gut arbeiten. Die Amerikaner lieben klare Arbeitsabläufe, wissen Sie. Man arbeitet von 9 bis 17 Uhr und die Mädchen wollen immer noch viermal mehr! Das war so gar nicht Guy.

Klaus van den Berg: Was dachten Sie über Bourdins Bilder?
Heidi Morawetz: Das Interessante an Guy war, dass er immer wieder unglaublich überraschende Bilder präsentierte, zugleich aber sahen die Mädchen wirklich schön aus. Und das ist sehr wichtig. Wir machten viele Aktbilder, die Mädchen waren völlig nackt. Das war eine Herausforderung. Aber es hatte niemals etwas Schlüpfriges an sich.

Klaus van den Berg: Wie lange haben Sie für Bourdin gearbeitet?
Heidi Morawetz: Nachdem er aufgehört hatte für Jourdan zu fotografieren, habe ich nur noch den einen oder anderen redaktionellen Beitrag mit ihm gemacht. Das muss ungefähr 18 Jahre her sein, als das Unternehmen an Schweizer verkauft wurde. Guy war sehr loyal gegenüber Herrn Jourdan und wollte ohne ihn keine weiteren Werbeaufnahmen machen. Zu jener Zeit kreierte Yves Saint Laurent gerade eine neue Make-up-Linie und bat mich, diese zu betreuen. In meinem Vertrag hatte ich durchgesetzt, dass ich weiterhin mit Guy Bourdin zusammenarbeiten könne. Sie akzeptierten das. In der Folge beauftragte mich auch Chanel als Make-up-Artist und für alle Make-up-Kreationen.

Klaus van den Berg: Es scheint so viele Bourdin-Fans zu geben…
Heidi Morawetz: Ja, in der Tat, es gibt sehr viele. Ich erinnere mich an einen Amerikaner, er war Art Buyer bei Bloomingdale’s und hatte auch eine Galerie. Sein Name ist mir entfallen. Er liebte Guys Fotos und er war es der Guy dann bat den Katalog für Bloomingdale’s zu machen. Das muss ungefähr zwanzig Jahre her sein. Mittlerweile ist der Katalog ein Sammlerstück. Aber auch damals haben die Leute ihn schon als Sammlerstück betrachtet.

Klaus van den Berg: Die 70er Jahre waren eben sein ‘goldenes Jahrzehnt’…
Heidi Morawetz: Aber er hat auch davor schon großartige Sachen gemacht. Ich erinnere mich an die Dior-Werbung mit den Mädchen und das Bild mit den vielen Händen. Alle Aufnahmen die er mit Serge Lutens gemacht hat waren sehr wichtig. Erinnern Sie sich an dieses Foto mit den ‘Perlen’ auf dem Po des Mädchens. Ein wunderschönes Foto. Aber wie Sie bereits erwähnten, die 70er Jahre waren eine besondere Zeit. Die Probleme wie wir sie jetzt kennen gab es noch nicht, z.B. Finanzen oder Aids. Es war so viel einfacher damals jung zu sein. Geld war nicht wichtig. Wir haben gar nicht über Geld nachgedacht. Wir arbeiteten aus Spaß an der Sache. Nicht nur Guy, sondern auch die Redakteure der französischen Vogue. Francine Crescent war außerordentlich wichtig für Guy Bourdin.

Klaus van den Berg: Was halten Sie von dem Künstler Guy Bourdin?
Heidi Morawetz: Ich weiß nicht, ob er sich selbst als Künstler sah. Er malte auch. Er träumte davon ein großer Maler zu sein. Aber ich glaube nicht, dass er die Fotografie als Kunst betrachtete. Viele versuchen aber jetzt etwas zu machen was er bereits gemacht hat. Guy hat als Fotograf einfach jeden übertroffen. Und es ist unmöglich ihn zu imitieren, da die Fotos so stark mit seiner inneren Welt verbunden waren. Man kann vielleicht seine Technik nachmachen, aber nicht sein Denken, seine Fantasie. Das ist völlig unmöglich.

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Niederländisches Innenministerium veröffentlicht Trendbericht “The (r)evolution of the iSociety” im Internet

Das niederländische Ministerium für Inneres und Königreichsbeziehungen hat ein Arbeitsdokument mit dem Titel “The (r)evolution of the iSociety” (dt. “Die (R)Evolution der iSociety” – d.h. der Informationsgesellschaft) im Internet veröffentlicht. Das Arbeitsdokument ist Teil der Forschungen an Trends und Entwicklungen in der Gesellschaft für das iGovernment, die von der Abteilung für Staatsbürgerschaft und Informationspolitik des Ministeriums durchgeführt werden. Die wichtigen Megatrends für das iGovernment sind die Überalterung der Bevölkerung und die Zersplitterung, schwindende Grenzen, sowohl offline als auch online, neue Risiken und Sicherheitsfragen bezüglich des Internets, die vernetzte Gesellschaft und das Zeitalter intelligenter Technologien. Diese Untersuchung konzentriert sich auf die Frage, ob das iGovernment ausreichend auf diese Trends auf dem Weg in Richtung der iSociety reagiert.

Im Mai 2012 wurde der Marktforscher, Stratege und Trendredakteur Klaus van den Berg damit beauftragt, dieses Arbeitspapier vorzubereiten. Die Kombination aus der schrittweise voranschreitenden digitalen Evolution in den letzten zwanzig Jahren und die rasante digitale Revolution in den letzten Jahren kann als (R)Evolution der iSociety beschrieben werden. Insbesondere das mobile Internet hat unsere Art des Lebens, des Arbeitens sowie des Denkens und Handelns radikal verändert. Und das Leben der jüngeren Generation spielt sich damit immer mehr im Internet ab. Der Bericht bietet unter anderem einen Einblick in die Auswirkungen, die diese Entwicklungen auf unsere Privatsphäre und den Schutz unserer persönlichen Daten haben.

Dieses Dokument wird dazu verwendet, der Diskussion über die Bedeutung, die diese Trends und Entwicklungen in der iSociety für das iGovernment haben, sowohl innerhalb als auch außerhalb des Ministeriums Aufwind zu geben. Dies ist ein wichtiges Thema in der niederländischen Gesellschaft, sowohl jetzt als auch in (naher) Zukunft.

Klaus van den Berg: “Die Niederlande gehören zu den am stärksten im Internet vertretenen Ländern. Da dieses Arbeitsdokument im Internet veröffentlicht wurde, kann es von jedermann heruntergeladen und weitergegeben werden. Ich möchte mich bei den niederländischen Experten, Sachverständigen und Bürgern bedanken, die sich an dieser Trendstudie beteiligt haben. Die iSociety steht auf der Agenda unseres Landes weit oben. ‚The time is now’.”

Laden Sie eine Zusammenfassung der Empfehlungen des Berichts in englischer Sprache herunter: Recommendations working document The (r)evolution of the iSociety November 2012 Online Publication

Laden Sie den vollständigen Bericht in niederländischer Sprache herunter: http://www.rijksoverheid.nl/documenten-en-publicaties/rapporten/2012/11/07/werkdocument-de-r-evolutie-van-de-i-samenleving.html

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Le ministère néerlandais de l’Intérieur publie en ligne un rapport sur les tendances intitulé ‘La (r)évolution de la iSociety’

Le ministère néerlandais de l’Intérieur et des Relations au sein du Royaume a publié en ligne un document de travail intitulé ‘La (r)évolution de la iSociety’ (The (r)evolution of the iSociety). Ce document s’inscrit dans le cadre de l’analyse menée par le Service de la citoyenneté et de la politique d’information du ministère portant sur les tendances et les évolutions dans la société en matière de iGovernment. Les grandes tendances pertinentes pour le iGovernment sont le vieillissement et la fragmentation de la population, l’effacement progressif des frontières en ligne et hors ligne, les nouveaux risques et la sécurité en ligne, la Société des réseaux et l’Ère intelligente. Cette analyse cherche à savoir si le iGovernment est suffisamment sensible à ces tendances en vue du passage à la iSociety.

En mai 2012 Klaus van den Berg, responsable d’études de marché, stratège et rédacteur en chef sur les tendances, s’est vu confier l’élaboration de ce document de travail. Le mariage de l’évolution numérique progressive des vingt dernières années et de la révolution numérique rapide des dernières années peut être considéré comme la (r)évolution de la iSociety. L’Internet mobile a en particulier modifié de fond en comble notre façon de vivre, de travailler, de penser et d’agir. Les jeunes générations passent de plus en plus de temps en ligne. Dans le cadre de ce rapport, on présente, entre autres, des perspectives sur les implications qu’ont ces développements sur le respect de notre vie privée et sur la protection des données à caractère personnel.

Ce document servira à alimenter la discussion – au sein, mais aussi en dehors du ministère – sur l’importance pour le iGovernment de ces tendances et évolutions dans la iSociety. Il s’agit d’un aspect important pour la société néerlandaise tant au présent que dans un avenir (proche).

Klaus van den Berg : « Les Pays-Bas sont l’un des pays du monde où Internet a énormément de poids. Étant donné que ce document de travail a été publié en ligne, tout le monde peut y accéder et le partager. Je tiens à exprimer ma gratitude aux spécialistes, aux professionnels et aux citoyens néerlandais qui ont participé à cette étude des tendances. La iSociety figure parmi les priorités de notre pays.’Le moment est venu’. »

Pour télécharger un résumé des recommandations du rapport en anglais, rendez-vous sur : Recommendations working document The (r)evolution of the iSociety November 2012 Online Publication

Vous pouvez télécharger le rapport en néerlandais dans son intégralité sur : http://www.rijksoverheid.nl/documenten-en-publicaties/rapporten/2012/11/07/werkdocument-de-r-evolutie-van-de-i-samenleving.html

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El Ministerio de Interior holandés publica el informe de tendencias ‘The (r)evolution of the iSociety’ online

El Ministerio holandés de Interior y Relaciones del Reino ha publicado el documento laboral llamado ‘The (r)evolution of the iSociety’ online. Este documento es parte de la exploración del Ministry’s Department of Citizenship & Information Policy en tendencias y desarrollos en la sociedad para el iGovernment. Las megatendencias relevantes para el iGovernment son la población envejecida y la fragmentación, fronteras disipadas offline y online, nuevos riesgos online y de seguridad, la Network Society y la Intelligent Age. Esta exploración se centra en si el iGovernment responde suficientemente a estas tendencias, en el curso hacia la iSociety.

En mayo de 2012 se encargó a Klaus van den Berg, investigador de mercado, estratega y redactor de tendencias, la elaboración de este documento de trabajo. La combinación de la evolución digital gradual en los últimos veinte años y la rápida revolución digital en los últimos años se ha descrito como la r(evolución) de la iSociety. El Internet móvil en particular ha cambiado radicalmente nuestra forma de vida, pensamiento y actuación. Y cuanto más joven es la generación, más viven su vida online. El informe, entre otras cosas, ofrece las perspectivas en las implicaciones que estos desarrollos tienen para nuestra privacidad y la protección de nuestros datos personales.

Este documento se utilizará para fortalecer la discusión -tanto dentro como fuera del ministerio- sobre la importancia de estas tendencias y desarrollo que la iSociety tiene para el iGovernment. Esta es una cuestión importante en la sociedad holandesa, justo ahora y en el futuro cercano.

Klaus van den Berg: “Los Países Bajos es uno de los países con más presencia online del mundo. Dado que este documento de trabajo se ha publicado online, todo el mundo puede descargarlo y compartirlo. Me gustaría expresar mi agradecimiento a los expertos, profesionales y ciudadanos holandeses que han participado en este estudio de tendencias. La iSociety es una prioridad en la agenda de nuestro país. ‘El momento es ahora’”.

Descargue un resumen de las recomendaciones del informe en inglés en: Recommendations working document The (r)evolution of the iSociety November 2012 Online Publication

Descargue el informe completo en holandés en: http://www.rijksoverheid.nl/documenten-en-publicaties/rapporten/2012/11/07/werkdocument-de-r-evolutie-van-de-i-samenleving.html

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